Pressemeldungen

Deutscher Tierschutzbund zur Tierhaltungskennzeichnung: „Ohne grundlegende Reform und Gesamtstrategie bleibt die Kennzeichnung wirkungslos“

Pressemeldung vom 14.01.2026

Anlässlich der morgigen Beratung im Deutschen Bundestag zur zweiten Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes kritisiert der Deutsche Tierschutzbund die politische Fixierung auf ein Instrument, das den Tierschutz nicht verbessert. Durch die Gesetzesänderung ist eine erneute Verschiebung der staatlichen Tierhaltungskennzeichnung auf den 1. Januar 2027 vorgesehen. Der Deutsche Tierschutzbund verweist auf die enormen Defizite im Tierschutzrecht und stellt klar, dass die Kennzeichnung ohne grundlegende Reform und eine langfristige Strategie für den Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung wirkungslos bleibe.

„Die Tierhaltungskennzeichnung verhilft keinem einzigen Tier zu einem besseren Leben. Sie soll Verbraucherinnen und Verbrauchern lediglich Orientierung bieten und aufzeigen, unter welchen Haltungsbedingungen die Tiere lebten, von denen das Fleisch stammt. Orientierung allein schützt jedoch keine Tiere“, stellt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, klar. „Wenn Union und SPD die erneute Verschiebung nun mit dem Bedarf an einer grundlegenden Reform begründen, dann erwarten wir mehr als kosmetische Korrekturen.“

In ihrer derzeitigen Konzeption bildet die geplante staatliche Tierhaltungskennzeichnung anhand weniger grober Eckwerte lediglich den Status quo der bestehenden Haltungsformen während der Tiermast ab. Verbindliche Anreize für bessere Lebensbedingungen setzt sie dabei nicht. Die Bedingungen für die Tiere bei Aufzucht, Transport und Schlachtung spielen keine Rolle.

Der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass die Defizite im geltenden Tierschutzrecht so gravierend sind, dass eine isolierte Debatte über die Tierhaltungskennzeichnung den Blick auf das Wesentliche verstellt: „Solange die gesetzlichen Mindestanforderungen so niedrig sind oder sogar fehlen und damit massives Tierleid erlauben, ist das jahrelange politische Ringen um ein einzelnes Instrument wie die Kennzeichnung bestenfalls dritt- oder viert-, wenn nicht sogar fünftrangig“, so Schröder. „Was fehlt, ist eine klare politische Strategie, wie die landwirtschaftliche Tierhaltung in 20 oder 30 Jahren aussehen soll.“ Bis heute gebe es weder verbindliche Zielbilder noch einen Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus tierschutzwidrigen Haltungsformen.

Nachhaltige Tierschutzpolitik müsse grundlegend anders ansetzen: mit einer deutlichen Anhebung der gesetzlichen Mindeststandards in der landwirtschaftlichen Tierhaltung, Haltungsvorgaben für Tierarten wie Rinder und Puten, für die Vorgaben bisher fehlen, einem Verbot von Anbindehaltung und schmerzhaften Amputationen bei Tieren sowie einer verlässlichen Finanzierung des Stallumbaus, die Betrieben, die in mehr Tierschutz investieren, langfristige Planungssicherheit bietet. „Ein Kennzeichnungssystem kann dabei allenfalls ein ergänzendes Instrument sein – nicht der Kern der politischen Anstrengungen“, sagt Schröder.

Quelle: Dt. Tierschutzbund

Bildmaterial

Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung soll Auskunft zur Haltung von Mastschweinen geben und Verbraucherinnen und Verbrauchern so Orientierung bieten – eine Verbesserung für die Tiere schafft sie jedoch nicht.     Copyright: Deutscher Tierschutzbund e.V
Die staatliche Tierhaltungskennzeichnung soll Auskunft zur Haltung von Mastschweinen geben und Verbraucherinnen und Verbrauchern so Orientierung bieten – eine Verbesserung für die Tiere schafft sie jedoch nicht. Copyright: Deutscher Tierschutzbund e.V
Bild speichern