Pressemeldung vom 12.03.2026
Fraglich bleiben:
Der Deutsche Tierschutzbund hat die öffentlichen Statistiken der letzten Jahre des deutschen Galopprennsports und die Rennberichte für das Jahr 2025 ausgewertet und erneut erhebliche Tierschutzprobleme festgestellt. Besonders besorgniserregend sind die unklaren Verbleibe ausgedienter Rennpferde und die steigende Zahl von tierschutzrelevanten Zwischenfällen wie unsachgemäßem Peitscheneinsatz und Lahmheiten. Der Deutsche Tierschutzbund fordert mehr Transparenz und setzt sich für ein Ende des Galopprennsports ein.
„Die eingesetzten Pferde bei Galopprennen sind sehr jung, teilweise gerade mal zwei Jahre alt. Jockeys treiben die Tiere mithilfe der Peitsche zu Höchstleistungen an“, kritisiert Andrea Mihali, Referentin für Pferde beim Deutschen Tierschutzbund. Die Zahl tierschutzrelevanter Zwischenfälle wie Peitscheneinsatz, Lahmheiten und Nasenbluten stieg 2025 im Vergleich zum Vorjahr prozentual betrachtet an. Insbesondere vor der Tatsache, dass letztes Jahr 31 Rennen weniger stattfanden. Jockeys setzten die Peitsche 68-mal gegen die Regeln ein. Diese strukturellen Probleme zeigen sich auch im Umgang mit Daten und Transparenz: „Jedes Jahr verschwinden Hunderte Pferde aus den Statistiken. Offizielle Angaben zu Todesfällen fehlen. Der Verband für Rennsport muss offenlegen, wo die Pferde bleiben und welche Risiken sie tragen“, so Mihali.
Es ist unklar, was mit ehemaligen Rennpferden passiert
Die überwiegende Mehrheit der Rennpferde ist drei oder vier Jahre alt; ab diesem Alter gehen die Bestandszahlen deutlich zurück. So gab es im Jahr 2024 fast doppelt so viele vierjährige Rennpferde wie fünfjährige im Jahr 2025. Damit stellt sich zwingend die Frage, wohin jedes Jahr hunderte dieser Pferde gelangen – zumal längst nicht alle in die Zucht oder in private Hände übergehen können. Gleichzeitig fehlen offizielle Zahlen zu Todesfällen im Training oder während der Rennen. Der Deutsche Tierschutzbund sieht darin ein erhebliches Transparenzdefizit, da „Deutscher Galopp“ kein öffentlich nachvollziehbares Register oder ähnliches über den Verbleib ausgeschiedener Rennpferde führt. Zwar verweist der Verband darauf, dass viele Tiere später in der Zucht oder als Reitpferde eingesetzt würden. Die Geschlechterverteilung von etwa 50:50 spricht jedoch dagegen, dass ein großer Teil tatsächlich in die Zucht geht, da viele Hengste auch kastriert und damit zuchtuntauglich sind. Ohne belastbare Daten bleibt daher unklar, was mit zahlreichen ehemaligen Rennpferden geschieht.
Gleichzeitig ist ein Anstieg tierschutzrelevanter Zwischenfälle während der Rennen zu verzeichnen. Mehrere Jockeys wurden erneut wegen Regelverstößen auffällig – teils dieselben wie in den Vorjahren. Nach Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes zeigen die bestehenden Sanktionen gegen unsachgemäßen oder exzessiven Peitscheneinsatz bislang keine nachhaltige Wirkung.
Auch die Haltungsbedingungen werden kritisch bewertet: Einjährige Nachwuchspferde verbringen häufig den Großteil des Tages in Einzelboxen statt in Gruppen auf der Weide. Dabei schreiben die „Leitlinien für den Tierschutz im Pferdesport“ eine Gruppenhaltung bis zu einem Alter von 30 Monaten vor.
Quellen:
Deutscher Galopp, www.deutschergalopp.de
Quelle: Dt. Tierschutzbund
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