Start Tierschutzpolitik Nicht auf den Hund abschieben, sondern den Menschen in die Pflicht nehmen
Nicht auf den Hund abschieben, sondern den Menschen in die Pflicht nehmen PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 26. November 2009 um 16:31 Uhr
 

Listenhunde, also „Kampfhunde“ nach der Bayerischen Verordnung für gefährliche Hunde, sind in Bayern verurteilt, lebenslang in Tierheimen einzusetzen. Nur die Rasse entscheidet, unabhängig davon, ob der Hund seinem Wesen nach nicht doch von einem verantwortungsvollen Halter übernommen werden kann. Wir fordern, dass endlich am anderen Ende der Leine angesetzt wird, beim Menschen als Züchter, Ausbilder und Halter.


In den bayerischen Tierheimen sitzen immer mehr so genannte Kampfhunde ein, ohne dass eine Chance besteht, sie zu vermitteln. In Nürnberg sind es bereits elf solcher Hunde, die praktisch auf Lebenszeit festsitzen. Aber auch kleinere Tierheime haben bereits einen oder zwei solcher Hunde.

 

Diese Hunde blockieren teure Plätze, für die niemand aufkommen will und die für Neuzugänge gebraucht würden. In Einzelfällen mussten bereits vorübergehende Aufnahmestopps verhängt werden.

 

Mit dieser Situation sind die Tierheime völlig überfordert. Sie verschärft sich weiter, da auch so genannte Kampfhunde mit illegalen Tiertransporten nach Bayern kommen.

 

Die „Bayerische Kampfhundeverordnung“ vom 10. Juli 1992 (Art. 37/I Satz 1 Landesstraf- und Verordnungsgesetz LStVG) halten wir ohnehin für problematisch, da bereits eine Reihe von Gerichtsurteilen ergangen sind, die eine Einzelfallprüfung verlangen und die Pauschalbewertung durch Rassemerkmale für hinfällig erklären.

 

Wir fordern:

  1. Strengere Kontrollen von Tiertransporten an den osteuropäischen Grenzen.
  2. Massivere Ahndung bei der illegalen Einfuhr von Tieren.
  3. Änderung des Art. 37 LStVG Halten eines Kampfhundes. Der Passus „Kampfhunde sind Hunde, bei denen auf Grund rassespezifischer Merkmale von einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen und Tieren auszugehen ist“, ist zu streichen.
  4. Aus Art. 37/I Satz 1 LStVG ist zu streichen, dass der Halter ein berechtigtes Interesse       nachweisen kann.

 

Für die Haltung der unter den Begriff „Kampfhunde“ aufgelisteten Rassen ist unter anderem eine Erlaubnis erforderlich, die von der zuständigen Behörde ausgestellt werden kann. Die Voraussetzung, dass der Halter ein berechtigtes Interesse nachweisen kann, wurde nach unserer Kenntnis in keinem Fall anerkannt. Dadurch ist die Vermittlung eines Kampfhundes der Kategorie 1 der Kampfhundeverordnung nahezu unmöglich.

 

Gerade in den vergangenen zehn Monaten ist eine Flut von sichergestellten American Staffordshire Terriern und American Pitbull Terriern über das Nürnberger Tierheim hereingebrochen. Hier befinden sich 11 Hunde dieser Rassen, ohne Chance in Bayern oder auch anderen Bundesländern vermittelt werden zu können. Ähnlich sieht es vor allem in den anderen fränkischen Tierheimen aus.

 

Ein langjähriger Aufenthalt mit all den negativen Begleiterscheinungen, wie Verhaltensstörungen durch zu lange Unterbringung im Tierheim, Aufbau von Aggression wegen Bewegungsmangel und Verursachung von enormen Kosten zu Lasten der Tierschutzvereine, ist für die Hunde unumgänglich. Dies ist aus tierschützerischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht länger hinzunehmen.

 

Seit der Öffnung der Grenzen zu den osteuropäischen Ländern blüht ein unglaublicher Handel mit Hundewelpen und natürlich auch mit Kampfhunderassen. Die Tiere werden im Internet zu tausenden angeboten, ohne Probleme nach Deutschland eingeführt, obwohl ja die Einfuhr verboten ist, verkauft, dann von den Behörden sichergestellt und in die Tierheime abgeschoben. Die Züchter und Händler verdienen viel Geld, die Behörden erfüllen ihre Pflicht und die Dummen sind die Tierheime und natürlich in erster Linie die Hunde.

 

Auf eine genaue Überprüfung des Hundes (Wesenstest, der alle 2 Jahre zu wiederholen ist) und vor allem auf eine Überprüfung des Halters (Führungszeugnis; eventuell Hundeführerschein) und dessen charakterliche Eignung zur Führung eines Kampfhundes, ist größter Wert zu legen. Auch wir wollen in keinem Fall, dass gerade Kampfhunderassen in falsche Hände geraten. Hier ist eine Wegnahme dringend erforderlich.

 

Wir sind uns mit den Hundesachverständigen in Bayern einig, dass ein geprüfter guter Hund durchaus von vernünftigen und verantwortungsvollen Menschen gehalten werden kann.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 03. Januar 2010 um 18:53 Uhr
 
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