15 Galloways vor dem sicheren Tod gerettet Drucken
Donnerstag, 26. November 2009 um 11:16 Uhr

Ihr Tod war bereits angeordnet. Doch der Tierschutzverein Bamberg und der Bayerische Tierschutzbund schafften es, die Tiere zu übernehmen und sie zu retten. Nach drei Monaten Verhandlungen mit den Behörden und einer intensiven Suche nach einem sicheren Platz konnten sie bei einem Galloway-Halter in Niederbayern untergebracht werden.

 

 

Drei Monate Hoffen und Bangen, Verhandlung und Suche waren erfolgreich. 15 Galloway-Rinder, wegen fehlender Herkunftsnachweise zum sicheren Tod verurteilt, sind Ende April 2009 lebend, gesund und wohlbehalten bei Bauer Christian Kögl auf dem Moosfeldhof im niederbayerischen Mainburg (Landkreis Kelheim) eingetroffen und haben ihre 50 000 Quadratmeter (5 Hektar) große Weide direkt am Waldrand bezogen. Und nicht nur die Rinder sind glücklich, auch alle Beteiligten – vom Tierschutzverein Bamberg mit seinem Vorsitzenden Dr. Liebhard Löffler über Tierschutz-Präsidenten Berthold Merkel und sein Präsidium sowie Michael Aufhauser und sein „Gut Aiderbichl“-Team bis hin zu Galloway-Züchter Christian Kogl und seiner Familie, der seinen Lebensweg komplett umgekrempelt hat.

 

Galloways stammen aus dem südwestlichen Schottland und sind eine besonders robuste Rasse, die ganzjährig auf der Weide bleiben kann. Ein wesentliches Merkmal der Galloways ist ihr doppelschichtiges Fell mit langem, gewelltem Deckhaar und feinem, dichten Unterhaar, das vor allem den Kälbern das Aussehen von Teddybären gibt. Das doppelte Fell und ihre vergleichsweise dicke Haut sowie der angepasste sparsame Stoffwechsel machen die Galloways besonders widerstandsfähig. Deshalb können sie ohne Probleme auch harte Winter im Freien überstehen und werden in Bayern auch zur Landschaftspflege eingesetzt.

 

Drei Tage vor dem Termin, an dem die Rinder getötet und verbrannt werden sollten, wurde der Tierschutzverein Bamberg aufmerksam. Er erreichte eine Fristverlängerung und konnte die Tiere in seinen Besitz übernehmen. Mit Unterstützung des Tierschutz-Präsidiums musste viele Hürden gemeistert werden: weitere Unterbringung und Betreuung, Untersuchungen, Behördengenehmigungen und vor allem einen neuen Platz. Das war besonders schwierig, da die Tiere keinen Kontakt mit anderen Rindern bekommen und nie in den Verzehrkreislauf gelangen dürfen.

 

Michael Aufhauser erklärte sich gerne bereit, bei der Rettung der Tiere mitzuwirken. Das Problem war der neue Standort. Schließlich veränderte Galloway-Züchter Christian Kögl seine ganze Lebensplanung: Er verzichtet auf seine Zucht und wird Partner von Gut Aiderbichl. Auf seinem Moosfeldhof wird er Tiere betreuen, die durch menschliches Fehlverhalten in Not geraten sind. Auch seine eigenen Tiere erhalten nun das Gnadenbrot.

 

Der Tierschutzbund Bayern bedankt sich bei allen Beteiligten, bei den Tierschützern, bei den Helfern, aber auch bei den Veterinärämtern in Bamberg und Kelheim, bei den Bezirksregierungen in Oberfranken und Niederbayern und beim Ministerium. „Die Rettungsaktion – so unwahrscheinlich sie zunächst aussah - konnte nur gelingen, weil alle mitgeholfen, Steine aus dem Weg geräumt und diese Rettung als ureigenste Sache betrachtet haben. Es war schwierig. Aber jetzt ist die Freude riesengroß. Und wir werden es wieder tun.“

 

Auch der Vorsitzende des Tierschutzvereins Bamberg, Dr. Liebhard Löffler, der mit seinem Verein eine fast dreimonatige Zitterpartei durchzustehen hatte, ist zufrieden und zuversichtlich: „Wir freuen uns, dass die Galloways es nun auf der großzügigen Weide bei Christian Kögl und seiner Frau es gut haben werden.“

 

Christian Kögl schließlich bereut nichts: „Wir geben die Zucht auf und verschreiben uns vollständig der Gnadenhofidee von Michael Aufhauser. Unser Moosfeldhof wird eine Außenstelle von Gut Aiderbichl. Hier werden nicht nur die ‚Bamberger’ Galloways leben, sondern auch die Tiere aus unserer Herde, die ebenfalls auf Lebenszeit ihr Gnadenbrot bekommen.“

 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 26. November 2009 um 11:24 Uhr