Wildtierverbot im Zirkus Drucken
Mittwoch, 30. November 2011 um 06:50 Uhr

 

Zirkus (Deutscher Tierschutzbund e.V.)


Wildtiere stellen besonders hohe Ansprüche an ihre Haltung und Unterbringung. In einem fahrenden Zirkusunternehmen ist eine verantwortbare Haltung von Wildtieren grundsätzlich nicht möglich.

Traditionell sind in den meisten der über 300 in Deutschland umherreisenden Zirkusbetriebe dennoch wildlebende Tierarten zu sehen. Tiger, Löwen, Elefanten, Nashörner, Giraffen, Schlangen,

Kängurus – die Palette an mitgeführten Tierarten ist groß.

 

Wildtiere leiden im Zirkus

Sie leiden massiv darunter,

dass sie im Schnitt 50-mal im Jahr den Auftritts-Ort wechseln müssen

dass sie die überwiegende Zeit in kleinen Käfigen zu verbringen,

dass sie in der Regel nur wenige Minuten am Tag beschäftigt zu werden

dass sie oft nur mangelhaft tierärztlich versorgt zu sein, da es bundesweit nur wenig spezialisierte Tierärzte für Wildtiere gibt oder sich der Zirkus die Behandlung finanziell nicht leisten kann

dass den Zirkusbetreibern in vielen Fällen die notwendige Sachkunde fehlt

dass in der spielfreien Zeit kein festes Winterquartier vorhanden ist. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen kann ein Winterquartier sein Eigen nennen.

Die Folgen für die Tiere sind fatal: Massive Gesundheitsschäden, schwere Verhaltensstörungen und erhöhte Sterblichkeit.

Allein in den letzten 10 Jahren ist nahezu ein Viertel des gesamten Bestandes an Elefanten im Zirkus verstorben.

 

elefant

Bild: wf

Veterinärämter sind hilflos

Die Erfahrung zeigt, dass selbst die kontrollierenden Veterinärbehörden an dem Leid der Tiere wenig ändern können. Dies liegt zum einen daran, dass die Beschlagnahmung

eines Wildtieres aus schlechter Zirkushaltung so gut wie nicht möglich ist, da geeignete Auffangstationen fehlen. Zum andern wechseln Zirkusse häufig - auch unangemeldet - ihren Standort,

was mit einem Wechsel in den behördlichen Zuständigkeiten verbunden ist. Ein effektiver Vollzug ist so erheblich erschwert.

 

Wir kämpfen für die Zirkustiere

Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich seit vielen Jahren für eine bessere Rechtssituation für Zirkustiere ein. Denn in Deutschland gibt es außer den allgemeinen Regelungen des

Tierschutzgesetzes keine rechtlich verbindlichen Vorgaben, für die Tierhaltung in Zirkusbetrieben. Die „Zirkusleitlinien“, die im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums veröffentlicht wurden,

konkretisieren zwar die Haltungsanforderungen für bestimmte Tierarten, sind aber weder rechtsverbindlich noch werden diese Minimalvorgaben in der Praxis hinreichend umgesetzt.

 

 

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Bild: wf

Aktuelle Situation

Vor diesem Hintergrund hatte das Bundesland Hessen im Jahr 2003 eine Bundesratsinitiative gestartet - mit zwei Zielen: Die Haltung von Großbären, Affen und Elefanten in Zirkusbetrieben

solle zukünftig verboten sein, zudem sollten die Zirkusbetriebe in einer Datenbank zentral erfasst werden. Beide Forderungen wurden vom Deutschen Tierschutzbund unterstützt.

Letzteres wurde erst 2008 mit der Zirkusregisterverordnung (ZirkRegV) umgesetzt. Damit sollte es endlich möglich sein, die Bedingungen der Tierhaltung in Zirkusbetrieben nachhaltig und

konsequent zu verfolgen. Leider nahm die Einrichtung des Zirkusregisters bereits recht viel Zeit in Anspruch, zudem wurden wichtige Forderungen seitens des Tierschutzes außen vorgelassen,

so dass eine lückenlose Überwachung auch in Zukunft nicht möglich ist. Zur Verbesserung der Situation von Wildtieren im Zirkus trägt das Zirkusregister somit nicht bei.

 

Im Herbst 2011 unternahm daher mit Hamburg ein Bundesland einen weiteren Anlauf und stellte einen Antrag, dass bestimmte wildlebende Tierarten in Zirkussen nicht mehr mitgeführt werden

dürfen. Am 25. November 2011 dann der große Erfolg für den Tierschutz: Das Plenum des Bundesrates sprach sich mehrheitlich für ein Verbot bestimmter Wildtiere im Zirkus aus -genannt sind

„insbesondere Affen (nicht-menschliche Primaten), Elefanten, Bären, Nashörner, Flusspferde und Giraffen". Dies ist ein eindeutiger Auftrag an Ministerin Ilse Aigner und ihr Ministerium, nun

aktiv zu werden und ein solches Verbot so schnell wie möglich umzusetzen. Da die Problematik nach Einschätzung des Deutschen Tierschutzbunds auch für alle anderen Wildtiere wie

Großkatzen, Krokodile oder Robben gilt, sollte ein solches Verbot zu einem späteren Zeitpunkt noch um weitere Tierarten ergänzt werden.

 

tiger

 

Bild: wf

                                                                                                                                                                                                                                                                                     

Was können Sie tun?

Meiden Sie Zirkusse, die Wildtiere mit sich führen

Prüfen Sie sorgfältig, ob Sie Zirkusse unterstützen, die nicht einmal mehr in der Lage sind, ihre Tiere ausreichend zu versorgen.

Auch eine gut gemeinte Spende führt in vielen Fällen nur dazu, das Leid der Tiere zu verlängern.

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 01. Dezember 2011 um 01:23 Uhr