Der Tierschutzverein Pfaffenhofen redet Tacheles

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Finanznot in den Tierheimen – der Tierschutzverein Pfaffenhofen redet jetzt Tacheles  

 "Tiere werden als Lebewesen und Mitgeschöpfe geachtet und geschützt." So steht es seit 1998 im Artikel 141, Absatz 1, Satz 2 der Bayerischen Verfassung. Das klingt ehrenwert, interessiert die Bayerische Landesregierung aber wenig. Im Landtag zerschellte Ende Juni der „Aktionsplan zur Gewährleistung des Tierschutzes in Bayern“ an der CSU-Mehrheit. Dabei fehlen den bayerischen Tierheimen 65 Millionen Euro für dringende Investitionen. Jedes dritte Tierheim steht vor der Insolvenz.

Das hat Auswirkungen auch auf den Tierschutzverein Pfaffenhofen. Dessen Vorsitzende Manuela Braunmüller erklärt, inwiefern.

Viele Tierschutzvereine kämpfen Jahr für Jahr ums Überleben. Das muss sich ändern, forderte ein "Aktionsplan zur Gewährleistung des Tierschutzes in Bayern". Vor gut zwei Wochen wurde im Landtag darüber abgestimmt. SPD, Grüne, Freie Wähler waren sich einig. Geschlossen stimmten sie dafür, dass es so nicht weitergehen könne. Auch die CSU-Abgeordneten waren sich einig: Abgesehen von zwei Enthaltungen Einig waren sich auch die CSU-Abgeordneten, mit Ausnahme von zwei Enthaltungen: Abgelehnt!
Flapsig interpretiert: Tierschutz mag ein nettes Hobby sein. Ist ansonsten aber überflüssiger Schnickschnack. 

Tierschutz, ein nettes Hobby? So einfach ist die Sache nicht. Manuela Braunmüller, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Pfaffenhofen: „Viele Menschen wissen nicht, dass die Zuständigkeit für Fundtiere bei den Kommunen liegt. Vergleichbar einer verlorenen Geldbörse. Allerdings ist es sehr viel komplizierter und aufwändiger, Tiere ‚aufzubewahren‘ als Hüte, Regenschirme oder einen einzelnen, verlorenen Schuh.“ 

Die Gemeinden geben die Verantwortung gerne weiter an Leute, die sich damit auskennen. Und die sitzen in den örtlichen Tierheimen. Sie schließen Verträge für Fundtiere mit den Heimen. Meist liegt die Pauschale bei weniger als 50 Cent pro Einwohner und Jahr – viel zu wenig. Von diesem Moment an sind die Tierheime für artgerechte Versorgung, Verpflegung und Unterkunft der Tiere verantwortlich. Durchschnittlich sind die Tierheime zu rund 80 Prozent mit Fund- und beschlagnahmten Tieren belegt, für deren Unterhalt eigentlich die Kommunen zuständig sind. Aber nur etwa 25 Prozent der hierdurch anfallenden Kosten werden von ihnen tatsächlich erstattet. Aus diesem Grund sind die meisten kleineren Tierheime gezwungen, die tägliche Arbeit an und mit den Tieren von ehrenamtlichen Helfern durchführen zu lassen. Das Geld reicht nicht für bezahlte Fachkräfte. Dennoch werden von den Heimen fachlich und sachlich fundiertes Wissen und Kenntnisse erwartet. Nicht von ungefähr seht ein Drittel der Tierheime vor der Insolvenz.

 

Wir sollen stets auf dem aktuellen Sicherheitsstand sein. Auf den Kosten hierfür bleiben wir aber sitzen.“


Tierschützerin Braunmüller weiß ein aktuelles Beispiel aus dem eigenen Haus, der Tierherberge in Pfaffenhofen: „Unsere Hundezäune waren beim Bau der neuen Herberge nur als Provisorium geplant. Das war 2011. Mittlerweile sind sie wirklich marode. Wir müssen sie derzeit modernisieren, um die Sicherheit von Besuchern und Mitarbeitern weiter zu gewährleisten. Die Kosten liegen im mittleren fünfstelligen Bereich. Sehr viel Geld für uns. Einerseits wird von uns erwartet, stets auf dem aktuellen Stand zu sein. Andererseits bleiben wir auf den Kosten sitzen.“

Herbert Woerlein ist tierschutzpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und hat den Aktionsplan im Landtag unterstützt. Er ärgert sich: „Die Unterstützung der über 80 Tierheime in Bayern ist die vordringlichste Aufgabe. Nach dem Willen der SPD soll der Freistaat Bayern Tierheime finanziell unter die Arme greifen, wenn Sanierungen anstehen. Auch eine bayernweite Regelung zur Fundtierpauschale wäre ein notwendiger Schritt, die Tierheime finanziell zu stabilisieren. 
Die Abgeordneten der Freien Wähler und von Bündnis 90/Die Grünen unterstützten diesen Antrag, die CSU lehnte ihn ab. Ich bin darüber nicht nur enttäuscht, sondern auch zornig über das Desinteresse der CSU am Tierschutz und an der Gesundheit der dort hauptamtlich und ehrenamtlich arbeitenden Menschen. Auch Anträge zu illegalen Welpentransporten, zu effektiveren Kontrollen der Schlachthöfe sowie der Schlachttiertransporte und zur Katzenkastration wurden in den letzten Jahren im Landtag von der Mehrheitsfraktion abgelehnt. Aber wir kämpfen weiter für den Tierschutz.“

Immerhin gewähren fast alle Bundesländer den Heimen Zuschüsse, damit diese ihre Aufgaben wahrnehmen können. Eines der reichsten Bundesländern, der Freistaat, hält sich vornehm zurück. Es sei ja Geld vorhanden, sagte die Landtagsabgeordnete Biedefeld im Parlament. „Allerdings hauptsächlich die Tier-Nutzer. So erhalte der Bayerische Bauernverband 2.750.000 Euro pro Jahr, und der Bayerische Jagdverband 835.000 Euro. Für Tier-Schützer blieben magere 331.000 Euro. „Das ist grade mal so viel, wie alleine die wichtige Reptilien-Auffangstation in München im Jahr braucht.“


Noch einmal die Vorsitzende des Tierschutzvereins in Pfaffenhofen: „Bitte unterstützen Sie Tierheime durch Ihr Engagement! Zeigen Sie, dass Ihnen Tierschutz nicht egal ist. Wir kommen um die Erkenntnis nicht herum, dass ein Tier ist für die Landesregierung lediglich dann von Wert ist, wenn es als Schweinsbraten oder Weißwurst auf den Teller kommt.“


Paul Ehrenreich